Nach dem Amstel Gold Race musste ja mal irgendwann die erste richtige Toertocht aus dem NTFU Kalender ausprobiert werden. NTFU steht für Nederlandse Toer FietsUnie und eine Toertocht sollte sowas wie die RTF in Deutschland sein, Radtourenfahrten für Rennradler, sportlich schnell absolviert.

Die Geestgrondentocht des TV Zoetermeer `77 sollte also die Premiere sein. Fünf Strecken stehen zur Wahl, von 40 bis 165 km. Klingt ganz vernünftig. Start ab 8 Uhr am 20. April, ab Clubhaus des TV Zoetermeer. Halbe Stunde Tram bis Zoetermeer, und dann bin ich da, frische 3°C oder so, strahlender Sonnenschein, das wird ein toller Tag. Im Clubhaus kurz vor 8 versammeln sich keine 10 Hanseln, was ist denn das. Nach der Registrierung gibt ne Tasse Tee gratis, man bemüht sich mit mir in Englisch zu kommunizieren.

Ich fahre dann 20 nach 8 alleine los, angeblich gibt’s Richtungspfeile, um die Strecke zu kennzeichnen. Zum Glück habe ich 2 Tage vorher noch per Zufall die gpx Tracks der Routen gefunden und sie mir am Morgen noch aufs Dakota geladen. Schon nach 500 m schalte ich das Ding ein und sehe den ganzen Tag keine Richtungspfeile. Ich sehe außerdem keine weiteren radelnden kollegen, die die gleiche Strecke fahren. Könnte sie auch gar nicht erkennen, weil Startnummern gabs keine, wir fahren alle inkognito. Ich folge also brav meinem GPS, bis Den Haag und weiter nach Katwijk kenne ich die Strecke.

In Scheveningen biege ich auf den Dünenradweg ein, und muss leider feststellen, dass der Wind über Nacht wieder gedreht hat, und mir fröhlich ins Gesicht pustet, herrlich, aber egal. In Katwijk, wo die erste Streckenteilung erfolgt, steht auch kein Schild, ja wie soll man sich denn hier zurechtfinden, ohne GPS? Ok, die Organisatoren haben einen sehr detaillierten Streckenplan auf Papier mitgeliefert, aber den beim Fahren zu lesen und umzusetzen, wie soll das gehen? So langsam schwindet auch die Hoffnung, dass es irgendwo eine Verpflegungsstelle gibt, ja wofür habe ich eigentlich die 3 EUR bezahlt? Das heisst dann aber auch, ich muss mir überlegen, wie ich hier über die Runden komme. Gut ich habe 2 volle Flaschen und ein paar Riegel mit, das sollte ne Weile reichen.

In Nordwijk treffe ich den angekündigten Blumenkorso, da muss man erstmal drumherum und dann mittendurch. Kurz hinter Zandvoort verfahre ich mich kurz, und entscheide mich dann dieses Verfahren konsequent fortzuführen und die Runde abzukürzen. Ich bin ja eh alleine, es gibt keine Beschilderung, keine Verpflegung, das hätte ich auch privat haben können. Und außerdem muss ich ja auch noch wieder zurückkommen. Bis hierher war es verdammt langsam, 24er Schnitt. Soll mal einer kommen und sagen, dass es in Holland doch platt ist und man ordentlich Gas geben kann….Radwege sind toll, aber auch sehr winklig. Außerdem geht es in den Dünen ständig hoch und runter. Wenn man das Ganze noch bei Gegenwind macht, dann fühlt sich das an wie Dauerbergfahren. Dafür geht es zurück zum Teil deutlich schneller, auf freier Strecke bei Rückenwind kann man richtig auf die Tube drücken, 35-40km/h, kein Thema, streckenweise auch mal 50km/h.

Vorbei an Blumenfeldern geht es zum Keukenhof, Touri-Ansturm hoch drei. Dann das zweite Mal Blumenkorso, das kostet Zeit, warten, Umweg. In Katwijk verlasse ich dann die Toertocht-Route und wende mich gen Heimat. Dann habe ich wenigstens noch was vom Tag. Am Ende stehen 122 km auf der Uhr, und das hat sich sehr gut angefühlt, Form wird besser. Auch die Runde war sehr schön, tolle Strecke, wie immer sehr verkehrsarm, werde ich mir merken. Jetzt muss ich nur noch verstehen, welche Toertocht tatsächlich auch als organisierte Veranstaltung zu verstehen ist und nicht nur eine Art Alibi mit ein paar Hanseln ohne Startnummer. Nächste Woche ist das nächste Mal Gelegenheit dazu.