Alle guten Dinge sind drei, und das in doppelter Hinsicht. Die Joep Zoetemelk Classic (JZC), Hollands Primavera am Tag von Mailand San Remo (19. März 2016), sind das dritte Event in drei Wochen. Nach CPC Loop und Haagse Omloop stand heute eben JZC auf dem Programm. Und nachdem ich schon zuvor zweimal angemeldet war, hat es heuer beim dritten Mal endlich zum ersten Start gereicht. Die Strecke bin ich zwar im letzten Mai schonmal für mich selber gefahren aber das ist natürlich was anderes als im offiziellen Rahmen auf die Strecke zu gehen.

Kurz nach 8 Uhr geht es bei 6°C auf die Reise. Mein Pulsmesser signalisiert mir dass er heute nicht mitspielen möchte, na super, aber was solls. Ich übe mich dann gleich mal im Gruppenspringen, möchte zügig vorankommen. Kurz vor Benthuizen lasse ich mal wieder eine Gruppe hinter mir, nur am dann festzustellen, dass keine weitere Gruppe vor mir zu sehen ist. Und das obwohl es jetzt so langsam gegen den Wind geht. Also lasse ich mich wieder auffahren und bleibe im Schutz der Gruppe. In den letzten Ausläufern von Bodegraven weiche ich meinem Vordermann aus und muss kurz in die Wiese und vom Rad. Beim Weiterfahren merke ich dass mein Computer nix mehr anzeigt. Ich halte an und vermisse den Speichenmagnet. Muss wohl bei der Aktion zuvor in der Wiese geblieben sein. Ich fahre zurück und verwende die nächsten 10 Minuten auf eine leider erfolglose Suche nach dem kleinen Ding, Mist.

Nach 40,74 km bin ich also komplett auf mein Gefühl angewiesen, Puls, Geschwindigkeit, Zeitmessung – alles weg. Einigermaßen verärgert fahre ich mit einer Gruppe mit die einigermaßen zügig Richtung Woerden bläst. Dort wartet die erste Verpflegung des Tages, zum vergessen. Ein Rosinenbrötchen pro Fahrer und Wasser zum nachfüllen der Flaschen aus dem Wasserhahn im Hof. Schnell wieder weg und weiter gehts. 

In kleinen Gruppen gehts durch Harmelen und dann in weitem Bogen um das Schloss Haar. Erinnerungen werden wach an den letzten Sommerurlaub, und an das was ich vom JZC im letzten Jahr gehört habe: „Es war eine Wasserschlacht sondergleichen. Wind, Kälte, Matsch, Stoffwechselprodukte von Pferd und Kuh – Alles. In schönen Momenten, dann wenn die Sonne durchbrach und sich in goldenem Streulicht vor der schwarzen Wolkenwand auf die Felder ergoss, fuhren wir aber auch durch ein Gemälde von Rembrandt.“ Zum Glück war es heute trocken und der Matsch auf den Straßen flog einem nur als Dreckklumpen um die Ohren. Das grüne Herz ist halt von Landwirtschaft geprägt, und Landmaschinen aller Art fahren hier die Straßen rauf und runter und lassen ihren Dreck dort zurück.

Apropos grünes Herz, das hat heute ganz schön gestunken. Nach Tagen ohne Regen sind die auf die Felder ausgebrachten natürlichen Dünger (=Gülle) noch nicht weggespült sondern müffeln fröhlich vor sich hin, bäh… Der zweite Versorgungspunkt nach etwa 90 km kann die Erfahrung von Woerden prima wieder wettmachen. Bananen und Isogetränke sind reichlich vorhanden. Danach wirds so langsam zäh, alleine bin ich unterwegs, bei Gegen- oder Seitenweind, mühsam. 

Kurz vor Vrouwenacker gesellen sich die 100er zu uns, immerhin mal wieder etwas Gesellschaft. Stellenweise zu viel Gesellschaft, wird manchmal ganz schön eng und stressig. Nach Ter Aar ist das allerdings vorbei. Die Organisatoren trennen die Strecken wieder und sorgen für etwas mehr Einsamkeit. Den Gegenwind habe ich damit auch exklusiv für mich alleine, zum Glück nicht lange, links weg und erst Seitenwind und später mehr und mehr Rückenwind. Gegen Ende kriege ich nochmal eine gute Gruppe, mit der ich an Alphen vorbei und dann die N11 entlang zurück nach Leiden fahre.

Mit einem richtig guten Gefühl biege ich auf die Radrennbahn des Radclub Swift. Tolle Sache, dass die hier die Rennbahn für den letzten Kilometer zur Verfügung stellen. Sogar einen richtigen Anstieg hat die Bahn zu bieten, den Col du Bourg à la Crème. Und dann ab auf die Zielgerade und rein in die Steilkurve der Bahn. Mein Name wird verkündet als ich über die Ziellinie fahre und dann sind meine ersten JZC Geschichte. Schöne Geschichte, schöne Tour. Wenn auch eine verlustreiche Schlacht. Nicht nur mein Speichenmagnet ist irgendwo bei Bodegraven zurückgeblieben. Auch Teile meines Hinterreifens sind irgendwo auf der Straße geblieben, der macht es jetzt nicht mehr lange.

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Screenshot der Kamera bei Zieldurchfahrt auf der Radrennbahn in Leiden.

Apropos lange, wie lange ich gebraucht ab für die 142,37 km (laut jüngstem Eintrag bei gpsies.com) kann ich nicht wirklich sagen. Was ich weiß ist dass ich um 8:05 gestartet bin und nach 5:16:36 inkl aller Zwischenstops die Zielflagge gesehen habe. Etwa 10-15 Minuten haben die beiden offiziellen Zwischenstops insgesamt gedauert, genauso lang meine Speichenmagnetsuchaktion. Reine Fahrzeit sollte also ein bisserl unter 5 Stunden gewesen sein. Aber das ist natürlich nur so ein Gefühl…