Wie jedes Jahr ist es nicht einfach, das Losverfahren beim Amstel Gold Race zu überstehen, doch es gelingt mir, und so bin ich dabei, beim größten Frühjahrsklassiker in den Niederlanden. Nur leider macht der Frühling genau an dem Wochenende Pause. Freitagabend sitzen wir noch bei milden Temperaturen und Sonnenschein in einer Valkenburger Pizzeria. Am Samstag Morgen breche ich dann meinen Kurzhosentest ziemlich schnell wieder ab, zu kalt. Regnen soll es auch und so gehts fast schon winterlich gekleidet um 6:30 von unserem B&B in Nuth zum Start nach Valkenburg, 8km einrollen.

Kurz nach sieben mache ich mich dann auf die Reise, 240km rund um Valkenburg, immer zickzack und kreuz und quer. Mir scheint, dass es beim AGR einzig und allein darum geht so viele Berge wie möglich in eine sinnhafte Runde zu packen ohne weit weg von Valkenburg zu müssen. Dabei gestaltet sich der Anfang noch höchst moderat. Zügig komme ich voran, auf der nördlichen Schleife der Strecke. Mit Ausnahme des kopfsteingepflasterten Maasbergs machen die Hügel keine Probleme. In den richtigen Gruppen unterwegs kann man es auch mal richtig krachen lassen. Und so erreiche ich die erste Verpflegung nach nem Viertel der Strecke mit nem 31er Schnitt, Wahnsinn, wenn das so weitergeht.

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Kurs der Langstrecke des Amstel Gold Race für Jedermann (Google Maps Screenshot).

Nur wird es jetzt schwerer, die Berge länger oder steiler oder beides. Zum ersten Mal gehts über den Fromberg, den mag ich, nicht zu steil, und schöne Sicht von oben. Wie es mir hier wohl in ein paar Stunden gehen wird? Dann steht der Fromberg ein zweites Mal im Programm.

Zurück in Valkenburg ist verpflegen angesagt, und dann gehts auf die Südschleife, nochmal 150km. Geulhemmerberg zum Zweiten und dann die Anfahrt zum Bemelerberg. Danach folgen laut Roadbook etwa 40km ohne Berge, zumindest keine klassifizierten, und genau da liegt das Problem. Sicher 6-7 mal geht es auf dem Stück nochmal bergauf, und die Anstiege haben zwar keine Namen, können mit den namhaften aber durchaus mithalten. So langsam geht mir die Achterbahnfahrt auf den Zeiger, Krise im Anmarsch, im Kopf und in den Beinen. Die nächste Verpflegungsstelle kommt genau richtig. Nur ärgerlich, dass man diese mitten auf die Wiese gesetzt hat. Wenn Tausende Radler durchs Gras stapfen wird daraus schnell Matsch, tolle Schlammschlacht. 


Bei einsetzendem Regen geht es danach einen kleinen steilen Berg hoch, das ist nicht der Loorberg, und offensichtlich auch eine Sackgasse. Oben angekommen kommen mir alle wieder entgegen. Keine Ahnung was los ist, Straße blockiert, was weiß ich, aber ich folge der Masse und fahre wieder auf die Hauptstraße. Der Loorberg ist dann schön zu fahren, was man vom danach im Profil stehenden Berg nicht sagen kann. Camerig heisst er, und geht in mehreren Stufen nach oben, unangenehm zu fahren. Mittlerweile sind wir auch im äußersten Südost-Zipfel der Strecke, regelmäßig kommen uns nun Radler entgegen, die schon wieder auf dem Rückweg sind.

Der Anstieg zum Dreiländereck ist mal wieder ein Genuss, sehr schöner Berg. Die Abfahrt macht Spaß, auch wenn die Nässe zur Vorsicht zwingt. Dann beginnt ein richtig kräftiger Schauer, was solls, wir sind auf dem Rückweg. Die letzte Verpflegung ist wieder in einem Schlammloch. Immerhin muss man nicht so weit durch den Schlamm waten.

Ja und dann, stehen noch 45 Kilometer mit den sechs steilsten Anstiegen des Tages im Programm, yippieh, das Beste zum Schluss. Kruisberg und Eyserbosweg kommen kurz hintereinander, dann Huls und dann wieder Fromberg. Der läuft richtig gut, ich fühle mich prima, besser als beim ersten Mal. Mittlerweile bin ich im Langstreckenmodus angekommen, kann v.a. im Flachen noch richtig Druck machen, während um mich herum alles langsamer wird. Nur die steilen Rampen bremsen meinen Tatendrang, und zu diesem Thema gibts dann zum Schluss noch ein besonderes Schmankerl.

Vom Keutenberg habe ich schon gehört, aber wenn man dann unten reinfährt und das 22% Schild sieht und unvermittelt vor einer Wand steht ist das schon ein kleiner Schock. Ich bin aus dem Sattel gegangen und habe Mühe genug Druck aufs Hinterrad zu bringen um ein Durchrutschen des Rades bei nasser Straße zu verhindern und gleichzeitig auch Druck aufs Vorderrad zu bringen um nicht hinten überzurollen. So ein Fiesling, echt, eine ganze Reihe Sportsfreunde schieben hier hoch, oder tragen das Rad. Und oben stehen einige pumpend und keuchend über den Lenker gebeugt am Straßenrand.

Ich erhole mich schnell und gebe nochmal Gas, macht Spaß hier nochmal richtig draufzutreten. Später kommen drei Sportsfreunde von hinten mit denen ich bis Valkenburg fahre. Und dann kommt die berühmte Linkskurve und ab in den Cauberg. Blick auf die Uhr, noch unter 9 Stunden reine Fahrzeit, das ist gut. Und dann erwacht der Ehrgeiz, unter 9 Stunden zu bleiben. Nochmal alles in die Waagschale werfen, und dann oben am Cauberg angekommen voll durchziehen. Das letzte Stück zum Ziel, Teufelslappen, Zielgerade mit Zielsprint und die Uhr bleibt bei 9:01 stehen, knapp drüber, aber was solls.

 

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Hochbetrieb im Zielbereich des AGR: Räder parken und ab ins Festzelt. 

Flaschenöffnermedaille abholen, Isostar Paket einsammeln, Foto machen (ist doch deutlich mehr los als vor 3 Jahren, als ich fast alleine im Zielraum stand) und runter nach Valkenburg. War ne tolle Sache, perfekt beschildert, gut organisiert, hat Spaß gemacht. Jetzt wo ich die Südschleife kenne, würde ich die 100km Variante, die ich vor drei Jahren gefahren bin nicht mehr wählen. Die geht über die Nordschleife, ist deutlich einfacher und auch landschaftlich weit weniger reizvoll als der Süden. 

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Zurück in Valkenburg, im Bereich der Startnummernausgabe.