Zum dritten Mal in Folge bin ich heuer nach Veenendaal gefahren, um am Triathlon in der Ostholländischen Stadt teilzunehmen. Während ich vor zwei Jahren noch Teil eines Trios war, und im letzten Jahr die Kurzstrecke (1/8) als Einzelstarter in Angriff genommen habe, stand dieses Jahr die ‚Langstrecke‘ auf dem Programm. Für Hobbyathleten geht es in Veenendaal maximal über die 1/4 Distanz: 1-40-10. Wie ich dieses Jahr während des Rhön Marathons gelernt habe ist das in Deutschland eine kaum zu findende Streckenvariante, für mich allerdings die sympathischste Variante überhaupt, kommt sie mir als schlechtem Schwimmer doch in idealer Weise entgegen. Zum Glück gibt es hier in Holland ein großes Angebot an 1/4 Triathlons, und von dem was ich bisher gesehen habe ist Veenendaal eindeutig der schönste, ein richtig schöner Triathlon, perfekt organisiert, tolle Strecke, schnelle Strecke. Vor allem Letzteres hatte es mir angetan: vielleicht schaffe ich ja endlich mal die 2:30 ‚Schallmauer‘ zu durchbrechen, zwei Stunden und dreißig Minuten zu unterbieten. Auf der halben Distanz habe ich im letzten Jahr 1:15 unterboten, mal schaun ob man das einfach verdoppeln kann. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: kann man nicht, um 97 Sekunden verfehle ich die 2:30 aber das Ziel einer persönlichen Bestzeit auf der Vierteldistanz erreiche ich dennoch.

Los gehts im Wasser. Nach Blaualgenalarm unter der Woche kriegen die Organisatoren noch rechtzeitig die Kurve und das Wasser im Surfvijver wieder schwimmtauglich. Nach den letzten warmen Tagen darf der Wetsuit zu Hause beiben, 23°C, kuschelig warm, aber immer noch erfrischend, bei 28°C außerhalb des Wassers. Ich mache mir keinen Stress, lasse die Meute sich gegenseitig ihre Arme und Beine verknoten, ich schwimme hinterher, in aller Ruhe. Und was soll ich sagen, ich bin zwar nicht schneller als sonst auch, aber um Längen entspannter. Keinerlei Atemnot oder Panikattacken, keinerlei Zickzackschwimmen, ganz in Ruhe und v.a. konstant kraulend ziehe ich meine Bahn, macht richtig Spaß. Auf Runde zwei kann ich sogar noch jemand überholen, ein erhebendes Gefühl. Nach 29:08 entsteige ich dem Wasser und wechsel auf meine Lieblingsdisziplin, das Radfahren. 

Als ich die Rundstrecke erreiche, kommen gleichzeitig 3 schnellere Kollegen aus der vorherigen Startwelle mit rein. Für zwei Runden habe ich nun Gesellschaft, und obwohl Windschattenfahren nicht erlaubt ist und ich auch alles dafür tue möglichst nicht im Windschatten zu fahren, so ganz vermeiden kann man es nicht, will man nicht mal komplett abbremsen und ein Weilchen warten. Und außerdem kann man heute ein ganz klein bisschen Unterstützung ganz gut gebrauchen, v.a. auf der langen Gegengeraden, die heute ausnahmsweise mal voll im Wind steht. Nach zwei Runden verabschieden sich die Herrschaften in die Wechselzone und ich verpflege mich erstmal, ein bisschen was essen. Und danach wird kräftig weitergearbeitet. Wenn ich auf dem Rad unter 1:10 bleibe habe ich eine realistische Chance die 2:30 zu knacken. Mit einigermaßen konstanten Rundenzeiten von 10:56, 10:40, 10:55, 10:57, 10:53, 11:12 (letzte Runde ist inkl. Anfahrt zur Wechselzone) erreiche ich nach 1:05:31 das Ziel der Radstrecke. Das ist die bei weitem beste Radzeit ever auf einer 40km Strecke im Rahmen eines Triathlon. Ok, die Radstrecke beim Berlin Triathlon 2010 habe ich in 1:05:11 absolviert, aber das war im Rahmen einer Staffel (kein schwimmen vorher und kein laufen nachher), und mit Windschattenfreigabe. Und auch vor zwei Jahren im Staffelrennen in Veenendaal habe ich 1:06:40 gebraucht, ebenfalls ohne schwimmen und laufen. Also das war dieses Jahr schonmal richtig gut.

Zurück in der Wechselzone beginnt das Rechnen. Die Chance ist weiterhin da, in unter 2:30 zu finishen, na denn mal los. Noch nie bin ich besser ins Laufen gekommen, geht richtig gut, die erste Runde bin ich voll im Soll, mit Kilometerzeiten von unter 5 Minuten, das geht sich aus – oder doch nicht…es wird von Runde zu Runde schwerer, Überraschung, 2,5 km um den Surfvijver, schöne Runde, viel Schatten, was an einem Tag wie diesem sehr angenehm ist. Es läuft auf ein ganz spannendes Finale hinaus, Spitz auf Knopf, und dann ganz plötzlich Seitenstechen, sehr heftig, keine Chance weiterzulaufen, Gehpause, 100m, 200m, dann gehts wieder und ich nehme wieder Fahrt auf. Ob das jetzt noch reicht? Schlusssprint geht nicht mehr, und dann die Ziellinie, und die Zeit, 2:31:36, ich kann nicht mehr…gefühlte Minuten hänge ich über der Absperrung und dampfe aus allen Poren, völlig außer Atem und schwitzend wie ein Stier fange ich dann an Flüssigkeit nachzufüllen. Ich kann gar nicht so schnell trinken wie ich schwitze. Der Zielraum ist zudem komplett in der Sonne, boah ist mir warm…nachdem ich wieder einigermaßen hydriert bin, geh ich langam zurück in die Wechselzone. Zumindest ein halbes weinendes Auge nehme ich heute mit nach Hause, die ‚magische‘ Marke von 2:30 so knapp verpasst zu haben…

Aber immerhin Bestzeit, sieben Minuten schneller als an der Binnenmaas vor 3 Jahren.  Vo allem auf dem Rad habe ich richtig gut gearbeitet. Hat sich doch gelohnt. Auf der Fahrt nach Veenendaal habe ich mich gefragt ob ich nochmal die lange Fahrt nach Osten auf mich nehmen soll, aller guten Dinge sind Drei reichen doch eigentlich…auf der Fahrt zurück bin ich mir sicher, ich komme wieder, wo sonst kann man die 2:30 mal angreifen, und außerdem fühlt es sich fast an wie zu Hause, und gute Streckenkenntnis ist auch sehr hilfreich. Also dann bis nächstes Jahr.