Mein erster Duathlon, und das gleich bei der niederländischen Meisterschaft im Duathlon – das kann ja was werden. Am Vorabend des Rennens gehe ich allerdings nicht davon aus, dass ich starten werde. Die anstrengende Arbeitswoche sitzt mir noch in den Knochen. Ich schlafe bis 10 Uhr an diesem 9. Oktober, und fühle mich jetzt wieder fit und ausgeruht. Na dann mal los, auf nach Spijkenisse. Niederländischer Meister kann ich allerdings nicht werden weil ich A keine Lizenz habe und weil ich B kein Niederländer bin – glaube kaum, dass ein Deutscher sich das Meisterschaftstrikot überstreifen darf. Zum Glück komme ich aber gar nicht erst in die Verlegenheit, der erste Platz, selbst in meiner Altersgruppe ist sicher in ganz weiter Ferne. Das hatte mich im Vorfeld auch ziemlich nervös gemacht, wenn hier nur die schnellen Jungs und Mädels unterwegs sind, dann fahre und laufe ich hier ganz weit hinterher. Der Blick auf die Startliste lässt mich etwas entspannen, niederländische Meister werden auch in den Altersklassen 40+, 45+, 55+, 65+, 70+ und 75+ gekürt, da habe ich vielleicht doch eine Chance, nicht als Letzter zu finishen.

 

Kein Ende in Sicht: in langer Reihe warten die Räder auf ihren Einsatz, in der Wechselzone beim Duathlon in Spijkenisse.

 

 

Lässt man den Blick nach rechts schweifen, sieht man das Radstadion in der Herbstsonne liegen. Schönes Ambiente für meinen ersten Duathlon.

Bei schönsten Herbstwetter bereite ich mich in Spijkenisse an der Radrennbahn auf meinen Start vor. Die Wechselzone ist die wahrscheinlich längste die ich je gesehen habe, und ich stehe ganz am Ende. Das wird ein langer Weg, gut 300 m in Radschuhen bis zum Beginn der Radstrecke zu laufen und wieder zurück. Auf der Radrennbahn ist der Start für die ersten 10 km laufen, vier Runden a 2,5 km, und schon bald nach dem Start wird klar, ich werde hier wirklich nicht letzter werden. Ganz vorne geht allerdings mächtig die Post ab. Ich komme zwar auch gut voran (11:49 für Runde 1, 12:00 für Runde 2, 12:15 für Runde 3, 12:12 für Runde 4), aber nix gegen die Herrschaften die hier das Meisterschaftstrikot haben wollen. In Runde drei werde ich überrundet, einen komischen Laufstil hat der Führende, sieht nicht gesund aus, aber schnell. Später kommen die ersten Frauen von hinten, 5 Minuten später gestartet, und auch die laufen nen komischen Stil.

 

Nach gut 48 Minuten habe ich die 10 km hinter mich gebracht, nicht schlecht, das habe ich schonmal bei 10 km Rennen geschafft ohne danach noch ein bisschen Rad zu fahren und weitere 5 km zu laufen. Allerdings zwickt in der Wechselzone die rechte Wade, autsch. Die Radstrecke beginnt trotzdem gut, die ersten drei Mitstreiter kassiere ich auf den ersten zwei Kilometern. Dann wird es allerdings für eine Weile ziemlich einsam, und ich kann mich mit der Strecke beschäftigen. Schwierig zu fahren, rauher Asphalt, hoch auf den Deich, runter vom Deich, der Seitenwind wird durch das Streckenprofil wie durch einen Kanal geschickt und ist mal Gegenwind und mal Rückenwind. Nach 17 Minuten kassiere ich Nummer 4, der war einigermaßen markant und ich hatte mir seinen Vorsprung nach dem 10 km Lauf handgestoppt, etwa 3 Minuten waren das, und jetzt habe ich das zugfahren. 

Und plötzlich ist einer hinter mir, huch, dass kenne ich ja gar nicht, auf der Radstrecke überholt zu werden, ist halt ein Meisterschaftsrennen, ganz anderes Niveau. Der Rückweg von der Wende ist etwas einfacher, den Schnitt kriege ich immerhin auf 32,5 km/h, trotzdem nicht doll, gar nicht doll, das Ziel am Ende unter 2:30h zu bleiben kann ich abschreiben. Dritter Abschnitt, wieder ein bisschen mehr Gegenwind, und wieder zwei hinter mir. Die beiden kommen allerdings nur langsam näher, in Abhängigkeit davon was meine Wade macht. Dann überholen sie mich doch, erst der eine, dann der andere, aber weg kommen sie nicht. Windschattenfahren ist nicht erlaubt, also versuche ich mich sacken zu lassen, komme aber immer wieder ran, dann reichts mir, ich gebe Gas, fahre vorbei, erst der eine, dann der andere. Die Wade tuts wieder also weiter. Dann plötzlich die Herren von der Kontrolle, überholen, gelbe Karte, rote Karte, Mist, galt aber nicht mir, sondern dem Kollegen hinter mir. Haben die ihn gerade disqualifiziert? Die Ergebnisliste bestätigt den Verdacht, der Herr ist raus, ist nach meinem Überholmanöver nicht weit genug aus dem Windschatten verschwunden. Tut mir echt leid, das habe ich nicht gewollt, aber erst haben die es nicht geschafft mich aus dem Windschatten zu fahren, und dann habe ich es auch nicht geschafft, und für ihn muss es schon die zweite Verwarnung gewesen sein.

Nach der letzten Wende macht meine Wade wieder Probleme. Den anderen der zwei Hintermänner muss ich nun ziehen lassen. Der Herr mit der roten Karte hat richtig reißen lassen, weit weg. Meine Wade erholt sich, und der Wind meint es gut auf dem Rückweg, läuft besser, und nach 1:13:45 ist das Thema Zeitfahren für 2016 erledigt. Dann muss ich wieder die laaange Batterie der Räder in der Wechselzone umrunden bevor ich mir wieder die Laufschuhe anziehen kann. Damit läuft es sich doch ein ganzes Stück besser als mit den Radschuhen. Die finalen 5 km sind trotzdem hart, geht nicht mehr ganz so flott wie zu Beginn, aber trotzdem bin ich mit 12:30 pro Runde noch richtig gut unterwegs. Und nach gut 2:35 erreiche ich dann das Ziel, Platz 14 von 16 gewerteten Startern in meiner Altersklasse (und Platz 66 von 74 gewerteten Männern insgesamt). Laufen ging prima, besser als gedacht, aber auf der Radstrecke habe ich die Zeit liegengelassen. Aber egal, schönes Erlebnis, mein erster Duathlon, und nach dem Ziel die nierderländische Nationalhymne zur Ehre der Gewinner des Rennens – jetzt habe ich einen Ohrwurm…