Holland ist ein Land der Radfahrer, das wird einem jeden Besucher des Landes ein ums andere Mal nachdrücklich klar gemacht. Radwege gibt es überall, Fahrräder ebenso, und sicher wird man als Tourist in Hollands Städten die eine oder andere unangenehme Begegnung mit radelnden Mitmenschen nicht vermeiden können. Für den deutschen Stadtmenschen ein komplett ungewohntes Bild.

Holland ist aber auch ein Land der Autofahrer. Ein Blick auf die Landkarte zeigt ein Wirrwarr an Autobahnen. Vor allem im Gebiet der großen Städte zwischen Rotterdam und Amsterdam ist das offensichtlich. Die sogenannte Randstad (Rotterdam, Den Haag, Leiden, Amsterdam, Utrecht) gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Europas. Und die Menschen brauchen Straßen, um ihre Autos irgendwie geordnet von A nach B zu bringen.

Doch wie passt das zusammen mit dem Image vom Fahrradland? Das konnte ich mir bei meiner ersten Annäherung an die Randstad mit dem Auto Ende 2012 beim besten Willen nicht vorstellen. Plattes Land, Autobahnen en masse, landwirtschaftliche Nutzflächen wohin das Auge schaut – wie soll man hier vernünftig radeln können. Zumal dem Radfahrer in Den Haag noch die Hälfte an Land fehlt: von Den Haag ist man verdammt schnell am Wasser, das zum Radfahren nicht wirklich geeignet ist. Das Repertoire an Strecken sollte also einigermaßen überschaubar sein.

Weit gefehlt: nach vier Jahren radeln in der Randstad habe ich eine Welt entdeckt, die ich mir nicht hätte träumen lassen. Ich möchte die saure Gurkenzeit (Winter 2016/2017) dazu nutzen, darüber etwas ausführlicher zu berichten, möchte auf die Besonderheiten des Radfahrens in Holland eingehen, einen Blick in die Geschichte werfen und auch den Radfahrer dabei nicht zu kurz kommen lassen. Persönliche Erlebnisse und Erfahrungen machen hoffentlich Lust auf eigene Entdeckungen der Randstad zu Rad. Ich für meinen Teil kann das auf jeden Fall empfehlen.