Nach dem Radeln in der Stadt beginne ich das Umland auf zwei Rädern zu erobern. Als erstes schaue ich bei gpsies.com nach geeigneten Rundstrecken, mit denen ich mein Navi füttern kann. Das geht so leidlich, aber eben nur leidlich. Häufig landet man doch auf nicht so gut geeigneten Straßen und Wegen, häufig muss man langsam fahren, sich neu orientieren, nicht so wirklich praktikabel. Aber was mir bei meinen ersten Touren auffällt sind mehrere Systeme von Beschilderungen für Radwege. Als erstes schaue ich mir die überwiegend roten Hinweisschilder an, noch am nächsten dran an der klassischen Beschilderung, weil Ortsnamen und Kilometerangaben zu sehen sind. Aber schnell merke ich, dass die Ortsnamen bei v.a. großen Städten mehr der groben Orientierung dienen, Ist ‘Den Haag’ ausgeschildert ist noch lange nicht gesagt wo in Den Haag man dann auch rauskommt, kann überall sein. Auch führen die so beschilderten Wege nicht immer auf den schönsten Wegen ans Ziel.

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Radweg zwischen Kijkduin und Monster, eine der von mir am häufigsten befahrenen Strecken. Hier hat man die roten Schilder und auch die Nummern der Fietsknoten nebst der Fietsknotenkarte der Umgebung – alles da was man braucht.

Ich beginne mich dann mit den grünen Schildern zu beschäftigen, die allein mit einer Nummer versehen sind – radfahren kodiert. Die Nummern markieren Fietsknoten, Kreuzungen von markierten Radwegen. Und was soll ich sagen, das ganze Land ist von Fietsknoten nur so übersäht. Wenn man auf Radwegen oder Nebenstraßen unterwegs ist, wird man alle paar Kilometer auf einen Fietsknoten treffen, und bei vielen der Fietsknoten stehen auch Karten, die die nähere Umgebung mit ihren Fietsknoten und Verbindungen zeigt. Ein krasses Netzwerk an Radwegen, dass sich auf diese Weise erschließt. Eine neue Welt, die es zu entdecken gilt.

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Mein Heimfietsknoten, wenn man so will (~1,5 km vor meiner Haustür), direkt am Strand zwischen Den Haag und Kijkduin, Fietsknotenkarte inklusive.

Von nun an brauche ich kein GPS mehr, von nun an begleiten mich kleine Zettel auf meinen Routen in unbekannte Gebiete, Zettel mit Nummern drauf, die mich von Fietsknoten zu Fietsknoten geleiten. Das wird auch dadurch erleichtert, dass die Schilder groß sind und gut zu sehen sind, selbst wenn man mit dem Rennrad zügig die Radwege befährt. Auch die Radkarten zeigen die Fietsknoten, und es gibt auch Apps mit denen man seine Touren unter Nutzung der Fietsknoten planen kann (z.B. Fietsknoop).

Ganz perfekt ist das System natürlich auch nicht, was aber weniger am System liegt als vielmehr daran dass es regelmäßig Aktualisierungen gibt, neue Radwege, neue Fietsknoten. Wenn man dann nach alten Karten fährt landet man auf dem Holzweg. Apropos Holzweg: nicht alle Radwege zwischen den Fietsknoten sind perfekt asphaltierte Pisten. Da es aber die überwiegende Mehrzahl der Wege ist, erlebt man manchmal doch Überraschungen, wenn man auf einmal eine Schotterpiste oder einen schmalen Trampelpfad vorfindet. Aber solange das nur gelegentlich passiert, hat das durchaus auch seinen Reiz.

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Wunderschöner Radweg, zwischen zwei Fietsknoten, nur leider ohne Asphalt oder andere Wegbesfestigung, ein Deichpfad – eine der wenigen Überraschungen im Fietsknotennetz.

Und wenn man sich doch mal verfährt, einen Abzweig verpasst oder die Fietsknotennummerierung sich ändert – einfach weiterfahren. Meist dauert es nicht lange bis der nächste Fietsknoten mit Karte auftaucht, oder aber ein Überlandradwegweiser, der einen den Weg in den nächsten Ort weist. Was also für den Neuling und Unwissenden wie ein unübersichtlicher Schilderwald mit kodierten Richtungsangaben aussieht, ist also in Wirklichkeit ein fast perfekt ausgetüfteltes System, das Radfahrern aller Couleur die Orientierung ermöglicht. Wer immer es erfunden hat, all thumbs up.