Kaum zu glauben, es ist schon Jahre her dass ich mein Autobett für den Caddy gebaut habe, und noch nie kam es zum Einsatz. An diesem Wochenende war es soweit, die Nacht vor der Lüttich-Bastogne-Lüttich Challenge habe ich direkt am Start in Lüttich im Hotel Caddy verbracht. Dabei habe ich ein bisschen gegrübelt, ob ich antreten soll. Der niederländische Wetterbericht kündigt eine ‚zwakke storing‘ an, die von Freitagabend bis Samstagmittag über Holland und Belgien hinwegziehen soll. Ein schmales Regenband, genug für 3 Stunden Regen, so die Vorhersage.

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Fertig zur Abfahrt Autobett links, Stelvio rechts daneben, alles verstaut.

Egal, ich mache mich dann doch auf den Weg. Freitagabend, Ferienbeginn, ich habe das Gefühl ich stehe mehr als das ich fahre. Um acht bin ich da, Pizza essen gehen, und dann meinen Kram sortieren und ab ins Bett. Nach einer etwas unruhigen Nacht (die Straße war dann doch etwas belebt und der Parkplatz taghell beleuchtet) stehe ich um 5 Uhr auf, noch ist es trocken. Frühstücken, vorbereiten, Startunterlagen holen, und um 6:40 bin ich on the road – immer noch trocken. Mit Überschuhen, langen Handschuhen, Regenjacke wird es schnell warm. Acht Kilometer gehts durch Lüttich bevor man am Start der Profis ist, und dort gehts gleich nach oben. Schön zum warmfahren, und ich beginne zu überlegen, die Regensachen abzulegen.

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Morgens um 6 Uhr in Lüttich, auf dem Parkplatz wo ich mein Nachtlager aufgeschlagen hatte. Letzte Vorbereitungen und dann gehts los.

Nach 1:45h erreiche ich die erste Verpflegungskontrolle in Bosson, und direkt nach Verlassen derselben fängt es an zu regnen. Na toll, hat mich das Regenband also eingeholt. Heisst das jetzt drei Stunden Regen? Ich erwäge kurz der Streckentrennung zu folgen und auf die mittlere Strecke abzubiegen, aber wirklich nur ganz kurz, nix da, aufgeben gilt nicht. Und zum ersten Mal am Tag ein bisschen sowas wie flache Strecke, für ein paar Kilometer kann man schön rollen, bevor es in Manhay rechts weg in die Pampa geht. Auf schmalen Straßen gehts immer fröhlich hoch und runter. Bei Regen und nassen Straßen nicht richtig lustig. Zum Glück hört der Regen nach sowas wie ner halben Stunde wieder auf. Straßen sind zwar immer noch nass, weswegen ich das Fahren in Gruppen vermeide, nicht noch in der Gischt fahren. Ausserdem sind die Straßen doch ziemlich schlecht. Alleine zu fahren hilft bei der Wahl der eigenen Linie, um Schlaglöchern und Co auszuweichen. Vorteil der schlechten Straßen und des rauhen Asphalts, das Wasser läuft besser ab und die Unterbodenwäsche bleibt weitestgehend aus.

Die Abfahrt nach Roche en Ardenne ist ziemlich lang und kalt, bei mittlerweile nur noch 6-7°C. Gut dass ich meine Regensachen doch anbehalten habe. Und am Ortsausgang wartet dann der erste Anstieg des Tages, die Cote de la Roche-en-Ardenne. Moment mal, erster Anstieg des Tages? Der erste kategorisierte Anstieg des Tages! Besser als mit dem Ticker des Profirennes am folgenden Tag kann man das kaum ausdrücken (siehe Screenshot unten).

LBL radsportnews
Der rote Balken bezeichnet den Aufenthaltsort der Profis im Rennen, und der passende Post von 12:24 beschreibt, dass die Männer gerade ‚den ersten Anstieg überwunden haben, die Cote de Roche en Ardenne‘. Schaut man sich das Profil an ist das ein Witz, geht es doch auch vorher schon fröhlich hoch und runter.

 

Schöner Anstieg, oben dann wieder etwas ruhiger, Zeit zum essen, und noch etwa eine Stunde bis Bastogne, dem Wendepunkt des Rennens. Allerdings liegt der Wendepunkt erstens nicht auf halber Strecke und zweitens hat man noch lange nicht die Hälfte der Schwierigkeiten (Berge) hinter sich – was mein Höhenmesser mir eindrucksvoll bestätigt, noch nicht mal ein Drittel ist geschafft. Zwei weitere Schwierigkeiten gesellen sich beim Verlassen von Bastogne hinzu: es beginnt erneut zu regnen und der Wind kommt jetzt von vorne, bläst mir den Regen frontal ins Gesicht. Aber auch dieses Mal regnet es nur etwa eine halbe Stunde, Glück gehabt. Und dann der zweite kategorisierte Anstieg des Tages, Cote de Saint Roch, rein nach Houffalize, rechts rum und himmelwärts. Macht der Redoute Konkurrenz das Ding.

Aber los gehts eigentlich erst weitere 50km weiter. Nach einem längeren Übergangsstück wo ich zum ersten Mal länger in ner Gruppen fahren kann (bei dem Wind kein Nachteil) gehts bei 170 gefahrenen Kilometern am Ortsausgang von Pont steil in die der Cote de Pont. Drei Kilometer weiter das gleiche Spiel an der Cote de Bellevaux, wenn auch nicht ganz so steil. Das Ganze aber schon bei deutlichen Zeichen der Wetterbesserung, die ersten Sonnenstrahlen, das erste Mal blauer Himmel. In Malmedy tausche ich Regenjacke gegen Windweste und entledige mich auch der langen Handschuhe, darauf hoffend, dass es nicht mehr regnet (was es in der Tat auch nicht mehr tut). Und dann wartet der nächste Scharfrichter, die Cote de la Ferme Libert. Nochmal so ein steiles Monster, 13% steil im Schnitt, schmale Straße, uff.

Die Anfahrt zum Col du Rosier wird von Motorenlärm begleitet es geht um die Autorennstrecke in Spa-Francorchamps, schön eingebettet im Wald, und die Strecke geht direkt daran vorbei. Nach einigen nervigen nicht kategorisierten Anstiegen gehts in den Col du Rosier. Solche Berge habe ich 1000mal lieber als die drei Dinger zuvor. 4km bei gemäßigter Steigung gehts zum Dach der Tour, schöner Anstieg. Und der folgende ist vom gleichen Kaliber. Der Col du Maquisard ist etwas kürzer auf als Rosier aber sehr schön zu fahren. Vom Gipfel dann noch 9 km bis zur Redoute, aber nicht ohne Anstieg zwischendrin, warum auch…

Cote de la Redoute habe ich als ziemlich fieses Ding in Erinnerung, knapp 2km lang, 20% maximal, 10% im Schnitt. Heute habe ich schon ein paar solcher Kaliber und mittlerweile 225km in den Beinen. Und trotzdem gehts gut hier hoch, geduldig wuchte ich mich die Wand hoch. Vor 3 Jahren habe ich 12:15 gebraucht (allerdings mit Fotostop, No 2833) und dieses Jahr brauche ich 9:37 – für die Redoute und Saint Nicolas gibt es Bergwertungen, kurze Bergzeitfahren.

Dann die letzte Verpflegung und auf ins Finale. Über Hauptstraßen mit ziemlich viel Verkehr gehts Richtung Liege, allerdings dann irgendwann links weg und später nochmal rechts und dann ist es wieder ruhiger, weniger Autos. Dafür wartet der nächste Anstieg, die Cote de la Roche-aux-Faucons. Wieder heftig steil, und nach einer kurzen Abfahrt gehts nochmal hoch, bis auf die Hochebene so langsam schwinden die Kräfte, und die Durchschnittsgeschwindigkeit fällt.

Dann endlich mal wieder runter, am Stadion von Standard Lüttich vorbei und ab nach St. Nicolas – namengebend für die Cote de Saint-Nicolas, nochmal zweistellig, wobei das Netz und die Beschilderung vor Ort eine andere Sprache sprechen: die Organisatoren geben 17% maximal und 11% im Schnitt an, möchte ich fast eher glauben als die Angaben im Netz…7:42 brauche ich heute, vor 3 Jahren waren es 7:00…die letzten 5km zum Ziel der Profis dann durch die Stadt, mit der Schlusssteigung in Ans. Nach 10:48 Fahrzeit bin ich im Ziel der Profis – Tags drauf braucht Herr Valverde 6:24 für die gleiche Strecke, nur unwesentlich schneller als ich…dann noch 8km zurück zu den Halles des Foires. Es ist gegen sieben Uhr als ich dort eintreffe, insgesamt 11:30 im Sattel (23,3km/h), langer Tag, kalter & nasser & windiger Tag, anstrengender Tag, schöner Tag.

Eine echt schöne Veranstaltung, auf dem Kurs der Profis durch die Ardennen zu fahren, Verpflegung super, Beschilderung perfekt, Start-Zielbereich toll. Das T-Shirts in Größe S aus waren – naja, hätte ich halt ein bisserl schneller fahren müssen. Beim nächsten Mal.