Yes, ich hab’s geschafft, zum ersten Mal einen Viertel Ironmen unter 2:30. Nach 2:31:36 im letzen Jahr habe ich nochmal 6,5 Minuten draufgepackt und in 2:25:05 das Ziel erreicht. Krass, wie geil ist das denn. Und dabei waren die Voraussetzungen denkbar ungünstig. Bei der letzten Schwimmeinheit 10 Tage vor dem Triathlon habe ich mir mal wieder einen Schwimmschnupfen eingefangen, toll, hat das Training am folgenden Wochenende zum Erholungsprogramm geschrumpft. Dabei habe ich mir dann noch meine rechte Schulter überlastet, auch das noch. Die letzte kurze Laufeinheit am Dienstag vor dem Triathlon fährt mir ordentlich in die Wade, was soll das denn, muss ja nicht sein. Für den Rest der Woche zwickt die Wade jeden Morgen, dankeschön. Und als ob das noch nicht reicht entscheidet sich die Hinterradnabe von Stelvio ihren Dienst zu quittieren, oder zumindest ihren Dienst nur unter massivem Widerstand zu leisten. Entweder waren das Wasser und der Dreck in der Rhön des Guten zuviel, oder sie ist immer noch nachtragend, weil ich mit Monsterachter nach gebrochener Speiche den Mont du Chat runtergefahren bin.

Mit mäßigen Ambitionen stehe ich in Veenendaal am Start, mein Lieblingstriathlon, vierter Start in Folge. Richtig gut organisiert, kompakter Triathlon, tolle Stimmung, macht richtig Spaß. Und heute warten auch noch perfekte äußere Bedingungen. Um die 20°C am Morgen, kaum Wind, kein Regen – was will man mehr. Die kühlen Bedingungen der letzten Tage/Wochen erlauben auch die Nutzung eines Neo, kann also losgehen.

So früh wie nie darf ich an den Start, in der ersten Startwelle. Dank der langen und intensiven Radevents der letzten Monate habe ich kein spezifisches Triathlontraining absolvieren können. Hier und da mal ein bisschen schwimmen oder laufen, aber kein Vergleich zum letzten Jahr. Na schauen wir mal was das wird.

Vom Start weg halte ich mich gut, und zum ersten Mal in meinem Leben kann ich es verhindern, dass mir das Feld enteilt. Ich bleibe dran, wenn auch nur am Ende, aber immerhin. Total ungewohnt, inmitten von anderen Schwimmern unterwegs zu sein. Füße und Arme überall. Das stört meinen Rhythmus, ich kann nicht voll durchziehen, merke auch, dass ich nicht wie im Training die Arme voll durchziehe. Ich bleibe trotzdem dran, kann mich auf der zweiten Runde sogar noch etwas weiter nach vorne arbeiten. Bin ich tatsächlich schneller als sonst oder sind die Anderen einfach nur langsamer?

Mit dieser Frage entsteige ich dem Wasser und schaue auf die mitlaufende Uhr. Gerade eben ist die auf 24 Minuten umgesprungen. Vierundzwanzig Minuten – ich kann es nicht glauben, boah ey, Freude pur, mein Herz rast allein schon deshalb. Das sind mehr als 5 Minuten schneller als vor einem Jahr. Fünf Minuten!!! Achtzehn Prozent schneller!!! Der Neo trägt sicher seinen Teil dazu bei, aber irgendwo zahlt sich das zusätzliche Schwimmtraining mit Schmwimmkurs im Winter doch aus. Heute geht was. Stelvio, bitte halte durch, bitte, bitte…30 Sekunden länger als im Vorjahr brauche ich in der Wechselzone, ein bisschen kostet der Neo halt doch.

Dann raus auf die Straße. Und das erste was mir auffällt ist, dass sich mein Radcomputer verstellt hat, er meint ich würde Indoorcycling betreiben, das geht ja gar nicht. Ich brauche ein bisschen bis ich das korrigiert habe. Und dann merke ich den Widerstand, die Nabe macht zu, erst ein bisschen, dann richtig, kann praktisch nicht mehr treten. Schei…ist das das Ende der Reise für heute? Plötzlich gehts wieder, ich kann wieder beschleunigen, uff, danke. Von nun an fahre ich einen richtig guten Rhythmus, ziehe ziemlich gleichmäßig meine Bahn (11:29, 10:49, 10:38, 10:41, 10:39, 11:06). Hin und wieder habe ich das Glück, dass mich ein schnellerer Zeitgenosse überholt und ich ein paar Hundert Meter im Windschatten mitfliegen kann. Aber bei Windschattenverbot will man es ja nicht übertreiben. Ich sehe es mal aus Ausgleich für die Verzögerungen in der ersten Runde, wo mich Radcomputer und Radnabe eingebremst haben. Am Ende stehen 1:05:19 auf der Uhr, nochmal 12 Sekunden schneller als 2016. Eigentlich nicht der Rede wert aber dank der Probleme am Anfang dann doch bemerkenswert.

Die Laufstrecke lasse ich vergleichsweise locker angehen. Nehme mir auch fest vor so wenig wie möglich zu trinken. Auf 10 km brauche ich ja auch sonst eigentlich nichts zu mir zu nehmen. Die Hoffnung ist, dass ich auf diese Weise gleichmäßig durchlaufen kann und Seitenstechen vermeiden kann. Da ich dank der herausragenden Vorstellung im Wasser jetzt immer noch 5 Minuten Vorsprung auf die magische 2:30 Marke habe, begleitet mich die Hoffnung, dass ich das ins Ziel retten könnte. Bleibt die Frage nach der Wade, die mich die letzte Woche so beschäftigt hat. Beim Radfahren hat sie sich schon bemerkbar gemacht, aber jetzt tut sie ihren Dienst. Sehr gut, locker weiterlaufen. Nach 10:17 erreiche ich zum ersten Mal den Zielbereich, noch 3 Runden.

Nach 2 Runden mache ich die erste Gehpause (12:17 für die 2. Runde), um in Ruhe ein paar Schlucke Wasser zu trinken. Dann gehts weiter, schön gleichmäßig weiter. Der Blick zur Uhr, nichts überstürzen, bin immer noch richtig gut in der Zeit (12:53 für die 3. Runde). Eingangs der letzten Runde beginnt es dann doch in der Seite zu stechen. Prophylaktisch gehe ich ein paar Meter, auch wenn das gerade im Bereich mit den meisten Zuschauern ist. Egal, ich habe heute schon andere gehen sehen. Auf dem letzen Kilometer finde ich sogar noch ein paar Körner für eine Tempoverschärfung, und dann sogar noch einen Zielsprint. Gerade eben springt die Uhr auf 2:25 um als ich die letzten Meter unter die Sohlen nehme (13:40 für die letzte Runde). Mit geballter Faust überquere ich die Ziellinie und suche mir einen freien Platz um mich über eine Absperrung zu hängen, um in aller Ruhe wieder runterzukommen. Eine besorgte Helferin erkundigt sich nach meinem Wohlbefinden, mahnt mich dringend was zu trinken und zu essen. Alles in Ordnung, ich kenne mich, aber toll, dass man so umsorgt wird. Drei Becher Isodrink, zwei Becher Wasser, eine halbe Banane und 1,5 Orangen später geht es mir wieder gut. Zufrieden trolle ich mich in die Wechselzone, packe meine Sachen und verschwinde nach Hause.

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Wie sich die Bilder gleichen, nach einem Triathlon hat sich die schöne Ordnung eigentlich immer erledigt. Neo, Schuhe, Helme, alles überall. Gut ist nur, dass in Veenendaal richtig viel Platz ist für all das Chaos.

Jahr     Swim / T1     / Bike  / T2    / Run – Total

2016     29:08 / 2:34 / 65:32 / 3:11 / 51:14 – 2:31:36

2017     24:02 / 3:07 / 65:19 / 3:34 / 49:06 – 2:25:05

Wer hätte das gedacht, bei den Vorzeichen eine neue Bestzeit aufs Parkett zu legen, geht doch. Was jetzt, den Viertel Ironman habe ich geknackt, jetzt muss der halbe Ironman folgen. Und das wo ich die Chance auf den ganzen Ironman habe. Ich habe einen Startplatz für die Roth Challenge im nächsten Jahr, aber der Termin ist verdammt ungünstig. Wäre schon ne coole Sache, aber bei einer Teilnahmegebühr von 500 Euro sollte schon alles passen. Läuft mir ja nicht weg, schauen wir erst mal auf die halbe Distanz. Doch Veenendaal wird im Kopf bleiben, das wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, tolle Veranstaltung.