Eigentlich hat man hier im schönen Holland sehr oft die möglich, ohne von Ampeln gestört zu werden seine Runden mit dem Rennrad zu drehen. Das geht natürlich nur solange gut wie man größere Ansiedlungen meidet. Heute und gestern (30 Sep – 1 Okt 2017) haben wir die größere Ansiedlung geradezu gesucht, und trotzdem uns von Ampeln nicht stören lassen. Für die Haagse Hoed Challenge wurden Begleitmotorräder organisiert, die dem Radfahrer den Weg und die Kreuzungen freigehalten haben. Mehr noch, die Challenge war nicht einfach nur eine gewöhnliche Fietstocht, es war eine 24 Stunden Fietstocht genauer gesagt eine 26 Stunden Fietstocht von Samstag 12 Uhr bis Sonntag 14 Uhr. Damit man nicht 26 alleine fahren muss gab es 4er Teams, 4 Radfahrer die sich alle 2 Stunden ablösen und in diesen 2 Stunden zwei Mal um Den Haag radeln. Die Gruppen waren dabei relativ klein, 4-10 Radfahrer, beschützt von 5-6 Motorradfahrern, sodass man stressfrei die Stadt entdecken konnte. Und all das für einen guten Zweck, Geld für die Krebsforschung zu sammeln. Um es vorwegzunehmen, eine richtig geniale Veranstaltung, hat richtig Spaß gemacht.

Los gings mit der Vorbereitung am 30.9. um 10 Uhr. Da ich kein Team hatte, war ich gespannt in welches Team ich eingeteilt wurde. Wie sich herausstellte waren ich und 2 weitere Mitstreiter im Team eines der Initiatoren für dieses Event den Chef der Umzugsfirma VanderVelde ‚tVeentje. Der hat keine Radfahrer in der Firma und hat uns ‚aufgenommen‘. Aber der vierte Mann fehlte uns noch, zumal die Frau im Team erst sehr kurzfristig eingesprungen ist und kein volles Programm radeln konnte. Sieht wohl so aus als ob das ganze doch zu einer größeren Herausforderung wird als gedacht, statt 6 Stunden locker über 24 Stunden verteilt durch die Stadt zu radeln standen plötzlich zwei 4 Stunden Blöcke auf dem Programm, plus ein weiterer 2 Stunden Block. In letzter Minute bekamen wir dann doch noch einen weiteren Mann und mein 6 Stunden Programm war wieder gesichert.

Das Team von  VanderVelde ‚tVeentje kurz vor dem Start der Einführungsrunde: Chantal links, ich in der Mitte, rechts hinter mir Han und am rechten Bildrand Jan Willem.

 

Doch erstmal hatte ich sechs Stunden Pause, meine erste Schicht war für 18:30 vorgesehen. So entwickelte sich der Samstag zu einem der entspannensten Samstage der jüngeren Geschichte. Statt einzukaufen, aufzuräumen, staubzusaugen und mit Julia zum Schwimmbad zu fahren saß ich in einer Schule am Zorgvliet die uns als Basislager diente und habe gelesen. Selten zuvor habe ich soviel Buch an einem Nachmittag gelesen wie gestern. Halb fünf habe ich meine Familie vom Schwimmbad abgeholt. Wir sind dann zur Fred gefahren, wo auch der Start-/Zielbereich war und haben eine Kleinigkeit gegessen. Die Kinder konnten sich dann auf dem Spielplatz vergnügen, während ich mich auf meinen ersten Start vorbereitet habe. Halb sieben gings los, und es dauerte eine Weile bis man sich an den Ablauf gewöhnt hatte, den Umständen zu vertrauen begann, dass man sich frei durch die Stadt bewegen konnte ohne dass einem andere Verkehrsteilnehmer in die Quere kommen. Coole Sache, einfach nur genießen. Dazu prima Wetter, die Fahrt in den Sonnenuntergang, schön. Die Durchschnittsgeschwindigkeit war auch höher als erwartet, sodass man gut vorankam, aber ohne auch nur in die Nähe des roten Bereichs zu kommen – richtig entspannend. Die erste Runde war dann viel zu schnell zu Ende, die zweite auch, viel zu kurzweilig das Ganze.

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Gruppe eins fertig zum Start der Haagse Hoed Challenge um 18:30 am 30.9.2017.

Zurück im Basislager erstmal was essen. Nach belegten Brötchen am Nachmittag standen jetzt zwei Sorten Pasta zur Auswahl, dazu Salat. Die Pasta war zwar nur noch lauwarm, schmeckte aber gut. Während der Wartezeit machte sich dann die Meldung breit, dass es unterwegs einen Unfall gegeben hatte. Wie ich später erfuhr just in der ersten Startgruppe, in der mein Team unterwegs war. Aber nicht etwa einen Radler hatte es erwischt, sondern zwei Motorradfahrer. Nachdem der eine ins Krankenhaus kam, mussten zwei weitere Motorräder aus dem Basislager geholt werden, um die Gruppe zurückzuholen. Das führte zu einer halbstündigen Verspätung der Gruppe und zu einer reduzierten Zahl verfügbarer Motorräder. Die Organisatoren reagierten prompt und führten die nächsten Gruppen zusammen durch die Stadt. Als ich dann um 1 Uhr wieder auf die Strecke durfte war wieder Normalbetrieb. Im Dunkeln ging es auf die Runde durch Den Haag. Immer wieder erstaunlich was zu dieser Nachtzeit in der Stadt noch los ist. Ok, es ist Wochenende, aber trotzdem. Und die Leute auf den Straßen haben überwiegend gute Laune, das eine oder andere Bierchen ermutigt uns anzufeuern. Aber nicht nur deswegen ist das Fahren in der Nacht was besonderes. Die klimatischen Verhältnisse sind auch ein bisschen anders, die ganze Stimmung und das Körpergefühl tief in der Nacht sich sportlich zu betätigen, das kenne ich ja von Zandvoort zur Genüge.

Um drei sind wir wieder zurück im Basislager. Diesmal waren wir langsamer unterwegs, mehr Vorsicht im Dunkeln ist sicher eine gute Idee. Obwohl es nicht verhindert hat, dass es nochmal gekracht hat. Später in der Nacht hat es einen weiteren Motorradfahrer erwischt, Mist. Das haben sie nicht verdient, haben einen phantastischen Job gemacht, uns wunderbar begleitet und dann landen sie auf dem harten Boden.

Ich verziehe mich nach Hause. Sechs Stunden Pause sind genug um das heimische Bett den Feldbetten vorzuziehen. Halb vier mache ich das Licht aus und schlafe wie ein Stein. Um acht wird der Stein wieder wach, so ausgeruht war ich noch nie nach einer Nacht bei einer 24h Veranstaltung. Da meine Familie auch schon wach ist, reicht die Zeit sogar noch für ein vernünftiges Sonntagsfrühstück. Was will man mehr. Um 9:20 bin ich wieder an der Fred, und höre ein paar Storys von einem der Motorradfahrer. Nicht alle Verkehrsteilnehmer haben v.a. nachts die nötige Rücksicht aufgebracht, die Radveranstaltung zu respektieren. Kann man nur von Glück sagen, dass nicht mehr passiert ist. Auch höre ich Berichte von den mehr oder weniger erfolgreichen Schlafversuchen meiner Mitstreiter – die Erfahrung mehrerer 24h Rennen hilft halt doch seinen Erholungsschlaf zu bekommen wenn man ihn braucht. Dann kommt Gruppe eins zurück, und 9:40 gehts auf in die letzten zwei Runden. Sonntagmorgen in Den Haag, und wieder eine andere Atmosphäre. Andere Menschen auf den Straßen anderes Wetter – und wieder schnellere Rundenzeiten.

Zwanzig nach elf ist der Job getan, und ich warte jetzt auf meine Familie um das Familienfest auf der Fred zu besuchen. Für die Kinder Gelegenheit zu spielen, für mich Gelegenheit die Zeit bis zum großen Finale zu überbrücken. Um 14:00 versammeln sich alle Teams im Kranenburgweg, um dann geschlossen noch einmal durchs Ziel zu fahren, unter den Hupen aller Motorräder.

Gemeinsamer Zieleinlauf aller Teilnehmer die noch vor Ort waren. Ich komme so bei 10s ins Bild, der einzige mit einem blauen Helm.

Dann gibts Rosen für alle, Fotos, Schlussplädoyers, Danksagungen tolle Stimmung. Ich hole meine Sachen aus dem Basislager und dann gehts wieder heim. Und wenn ich es einrichten kann will ich nächstes Jahr wieder dabeisein. Eine sehr gelungene Premiere, richtig tolle Veranstaltungen, radfahren zum genießen, nie mehr als 4 km von meiner Wohnung weg. Und auch ein wunderbarer Saisonabschluss, zum Teil auf den gleichen Strecken des CPC im März. Doch während ich da einigermaßen am Limit unterwegs war und von meiner Umgebung nicht so wirklich viel mitgekommen habe (auch wegen der vielen Mitläufer um mich herum), konnte ich mir heute in Ruhe alles genau anschauen, ganze sechs Mal. Ein dickes Dankeschön an die Organisatoren, an VanderVelde ‚tVeentje und an mein zufällig zusammengewürfeltes Team.

Rundenzeiten für die 25,5 km:
50:20 min – 30,3km/h (Puls 141)
52:10 min – 29,3 km/h (Puls 128)
56:36 min – 27,9 km/h (Puls 127)
54:23 min – 28,6 km/h (Puls 122)
51:29 min – 29,8 km/h (Puls 131)
50:05 min – 30,4 km/h (Puls 128)