Unter denkbar mäßigen Vorzeichen trete ich meine Reise zum Omloop van Zandvoort an. Nach einem intensiven 2 tägigen Meeting in Berlin und einer spätabendlichen Rückkehr am Vorabend des Omloop hatte ich dann auch noch eine Stunde weniger zu schlafen, Zeitumstellung sei Dank. Und dann hatte der Zug noch 20 min Verspätung, grrr. Und in Haarlem nochmal lange warten. Hat mich dann dazu gebracht das Bahnhofsklo in Haarlem in Begleitung meines Rades zu nutzen, was das Servicepersonal der öffentlichen Toilette einigermaßen amüsierte. Wenigstens die Zeit effektiv nutzen und nicht am Ende noch die letzte Startoption verpassen nur wegen der NS. Und doch stehe ich dann noch pünktlich in meinem radsportlichen Wohnzimmer, der Circuit in Zandvoort, Ort von epischen Kämpfen gegen Wind und Durchfall und Müdigkeit, aber auch Ort meiner größten sportlichen Erfolge, 2 mal Podium, einmal >600 km bei meinem Solo. Da fühlt es sich irgendwie komisch an nur eine Runde zu fahren, schade…aber im Idealfall trennen mich jetzt noch 170 km von zu Hause, 120 km um Leiden und Haarlem und dann noch 50 km wieder zurück nach Den Haag, gehen wir es an.

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Morgens halb acht an Hollands Spoor – wenn man 20 Minuten Zeit hat auf den Zug zu warten, kann man sogar die neu fertiggestellte Tramstation bewundern.

Das Zeitfahren auf dem Circuit absolviere ich übrigens in 6:19 – 2 Sekunden langsamer als letztes Jahr, Platz 148 von gut 2.000 Radfahrern – sehr viele machen aus der Circuitfahrt eine Spazierfahrt. Vom Circuit gehts in die Dünen und später Richtung Lisse. Wo im letzten Jahr schon die ersten Hyazinthen am Wegesrand stehen ist jetzt noch kahler Acker, war halt doch etwas kalt die letzten Wochen. Mittlerweile habe ich es auch in eine schöne Gruppe geschafft und komme gut voran. Allerdings wirds so langsam warm unter der Windjacke. Kurz rechts ran und weg damit. Doch kaum habe ich die Gruppe wieder eingeholt kommt die Streckenteilung und die Herrschaften fahren weiter geradeaus, die 80er Runde. Und ich bin wieder alleine. Erst kurz vor Warmond kommt ne Gruppe von hinten der ich mich dann bis Leiden anschließe. So habe ich die ersten 47 km nach knapp 2,5 Stunden abgerissen, Schnitt von 30,5, so kann es weitergehen.

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Der Circuit von Zandvoort im Nebel. Ist damit auch gleich ne Ecke kälter als noch in Den Haag. Schnell aufs Rad und warmfahren.

Nur geht es danach praktisch wieder zurück, und damit mehr oder weniger Richtung Norden, bei leicht auffrischendem Nordwind. Und bis zur nächsten Kontrolle habe ich nur zeitweise windschützende Unterstützung. Auf dem dann folgenden Stück bis Vijfhuizen sogar gleich gar keine Unterstützung mehr. Der Schnitt ist dann auch fast 1,5 km/h nach unten gegangen. Immerhin gibt es in Vijfhuizen ein besseres Angebot bei der Verflegung, nicht nur die ungeliebten Rosinenbrötchen wie an Kontrolle zwei.

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Letzte Kontrolle in Vijfhuizen.

Von Vijfhuizen sind es dann noch 27 km, und gut 10 km davon fahre ich wieder in der gleichen Gruppe wie kurz vor Leiden. Wo kommen die denn auf einmal her? Egal, in und um Bloemendael fasert die Gruppe so langsam auf, und an den beiden Hügeln um Bloemendael gehe ich in die Offensive. Am Karmelweg bin ich dann alleine und sehe dann auch bis ins Ziel keine Gruppen mehr.

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Fünf Kilometer vor dem Ziel, kurz bevor es auf den Dünenradweg geht, die einzige Fotofalle auf der Strecke.

Fünf Kilometer vor dem Ziel geht es wieder in die Dünen, einmal hinter dem Circuit rum und zurück nach Zandvoort ins Zentrum. Im letzten Jahr liefen hier schon die Halbmarathonläufer, heute noch nichts. Kann ich auch schneller wieder weg, ist eh kalt. Ich fahr heute ohne Umweg zum Strand aus Zandvoort raus und um Vogelenzang herum wieder zurück an die Bollenstreek, dann weiter an den Strand und mit leichtem Rückenwind nach Hause segeln. Nach 173 km und knapp unter 6 Stunden bin ich wieder zurück, aus dem einen in das andere Wohnzimmer. Echt schöne Runde, bei gutem Wetter. Und wie im letzten Jahr bleibt festzustellen, dass es ein gutes Gefühl ist nach vielen Wochen ohne längere Strecke das hier gut über die Bühne gebracht zu haben.