Pfingsten fährt man in Bimbach! Und wem der Pfingstsonntag nicht reicht der fängt am Pfingstsamstag schon an. Und das jetzt schon zum dritten Mal mit dem Ziel mehr als 400 km durch die Berge der Röhn zu radeln, die sich als mehr oder weniger willkommene Hindernisse dem Radfahrer in den Weg stellen. Mein drittes Bimbach 400 bekommt endlich auch mal das Wetter, dass sich die Organisatoren verdient haben. Richtig prima, ein bisschen frisch am Morgen, aber tagsüber wunderschön sonnig und warm, herrlich.

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Ab nach oben Richtung Theobaldshof.

Los gehts am Samstag mit der 156 km Strecke und knapp 2500 m klettern. Und ich konnte sogar eine Kollegin überzeugen, in Bimbach mit an den Start zu gehen. So bin ich mal wieder nicht alleine, zumindest am Start, auf der Strecke verlieren sich unsere Wege und ich sehe sie dann erst im Ziel wieder. Die im letzten Jahr eingeführte Variante ab Weyers gleich links weg zu fahren wird dieses Jahr beibehalten. Fünf Anstiege sind auf den folgenden Kilometern zu bewältigen bevor es dann zur Milseburg geht, nicht einfach. Auf dem Flachstück bis Günthers gelingt es mir eine Gruppe zu finden, was ein bisschen Kraft spart. Mit der wollte ich eigentlich auch weiter, aber plötzlich stelle ich fest, dass mein Vorderrad wackelt. Ein bisschen Finetuning an der Steckachse und es geht wieder, aber die Gruppe ist weg. Alleine mache ich mich auf den Weg auf das etwas zähe Stück Strecke durch Thüringen. Der schöne Anstieg aus dem Gerstengrund Richtung Theobaldshof ist den Ausflug aber wert, einsame Strecke durch den Wald, schöner Berg. Und dann erst die Abfahrt nach Günthers, genial. Zurück nach Bimbach geht es dann recht flott, immer an der Grenze zwischen Offensive und Defensive, immerhin müssen noch ein paar Körner für den Pfingstsonntag bleiben. Und doch bin ich dieses Jahr ungefähr 1 km/h schneller als letztes Jahr, 26,7 km/h im Schnitt. Das Wochenende fängt ja gut an.

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Viertel vor sechs am Pfingstsonntag, überpünktlich am Start, doch was hat es gebracht…

Am Sonntag bin ich endlich mal richtig pünktlich am Start, alles vorbereitet reihe ich mich knapp 15 Minuten vor dem Start in die Schlange ein. Cool, endich mal mit der Masse losfahren und im Feld schön mitschwimmen. Pünktlich um 6 Uhr gehts los, ich steige aufs Rad, blicke am Rahmen nach unten und sehe – nichts. F***, keine Flaschen, im Auto vergessen, wie blöd kann man nur sein. Erste Möglichkeit rechts, ab in den  Ort, runter zum Parkplatz, über Schotterpiste zum Auto rennen, Flaschen holen, wieder zurück zum Rad und zum Start. Acht Minuten kostet mich der Extraausflug, und natürlich bin ich jetzt alleine auf weiter Flur. Mich weiter ärgernd mache ich mich auf den Weg, und haben dann doch etwas Glück, dass ich nach 10 Minuten eine gute Gruppe auffahre. Später kommen weitere Gruppen von vorne, sodass ich bis zur ersten Kontrolle nicht mehr alleine bin. Dort treffe ich dann auch meine Kollegin wieder, die natürlich pünktlich gestartet ist. Wer vergisst auch schon seine Flaschen…

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Zum ersten Mal auf der Hochrhön, Fahrt Richtung Bischofsheim, gleich gehts in die Abfahrt.

Am Fuße des Ebersbergs habe ich nen 28er Schnitt, aber damit ist es gleich vorbei, jetzt kommen die ersten großen Berge, Ebersberg, Wasserkuppe, Hochrhön. An der Wasserkuppe überhole ich zwei bekannte Gesichter der Jedermannszene, die auf der Facebookseite der Bimbacher Tage vorher noch präsentiert wurden. Christian Müller und Maria Wilke lasse ich hinter mir, läuft gut. In Bischofsheim buhlen dann die Veranstalter um die Gunst der Radfahrer für den besten Blechkuchen, lecker lecker. Ich verspachtel drei Stück Kuchen und genieße die Sonne. Endlich mal nicht frieren in Bischofsheim. Dann gehts weiter, und die folgenden Kilometer bis zum Anstieg zur Rother Kuppe entwickeln sich als die schwierigsten des Tages. Gegenwind und kaum Gruppen die mein Tempo fahren, was dazu führt, dass ich regelmäßig überziehe um doch mal ein Hinterrad zu halten. In Stetten habe ich dann mächtig einen im Schuh und jetzt geht es hoch. Aber am Berg fährt es sich doch oft leichter als in der Ebene. Anstrengend ist es trotzdem und der Kuchen liegt mir noch immer schwer im Magen. Und gleich gibts Nudeln in Fladungen. Ich schaffe leider nicht so viele Nudeln, wie immer mit lecker Gulasch.

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Blick zurück nach Hundsbach, und wenn man sich Mühe gibt sieht man Radfahrer, die sich den Berg hochschlängeln.

Ab dann beginnen wie immer die Rechenspiele, schaffe ich den 15:30 cutoff in Hilders. Viertel nach 12 verlasse ich Fladungen. Auf dem ersten Berg nach Fladungen muss ich noch kämpfen. Nach Geba hoch läuft es dann besser. Schöner Berg und noch schönere Abfahrt, berauschend. Danach orientiert sich die Strecke gen Westen, d.h. Wind von hinten, sehr schön. So lässt es sich aushalten. In Kaltenlengsfeld gönne ich meinen brennenden Fußsohlen mal etwas Pause und steige auf Flüssignahrung um, mein Magen mag nicht mehr. Den Ellenbogen fahre ich so schnell es geht und lasse es dann bis Hilders richtig krachen, macht Laune. Elf Minuten for halb vier passiere ich die Streckenteilung und bin froh, dass mir die 8 Minuten vom Morgen nicht zum Verhängnis geworden sind. Nach Simmerhausen lasse ich es ruhig angehen, genieße die Strecke. Den Berg nach Hundsbach finde ich toll, schmale fast autofreie Straße, wunderschöner Ausblick, toll. In Günthers bin ich dann immer noch gut in der Zeit, und mittlerweile klappt es auch wieder mit fester Nahrung.

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Zielbereich in Bimbach am Schützenhaus.

Auf den abschließenden 50 km zurück nach Bimbach finde ich immer wieder Anschluss an Gruppen, sodass ich die Flachstücke zügig und einigermaßen entspannt überstehen kann. Deutlich vor sieben Uhr passiere ich dann den Zielstrich. Geschafft, auch heute wieder 1 km/h schneller als letztes Jahr (23,9 km/h im Schnitt). Das ist doch was, das macht insgesamt über beide Strecken 50 Minuten schneller als letztes Jahr. Gutes Wetter, gute Form, neues Rad? Ich weiß es nicht. Und komme ich nächstes Jahr wieder? Ich weiß es nicht. Die Organisatoren künden Großes an für die 30. Ausgabe, ob ich da wiederstehen kann? Auf jeden Fall ist und bleibt es eine großartige Veranstaltung, von der Logistik in Bimbach, der Unterstützung auf der Strecke, der Verpflegung, der Wahl der Strecken und deren Beschilderung. Verbesserungsvorschläge? Keine Ahnung, macht einfach weiter so!