Zwei Wochen Sommerurlaub zwischen Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald, und genau am Wochenende zwischen beiden Wochen steigt der Arber Radmarathon. Was für ein Zufall, oder war das etwa so geplant? Egal, wenn man schonmal in der Gegend ist, dann will man sowas schon mitnehmen. 7000 Starter waren gemeldet und es sollte ein heißer Tanz werden, im wahrsten Sinn des Wortes. Die Gewitter der letzten Tage hatten sich verzogen, sodass einem sehr sonnigen und sehr warmen und sehr trockenen Tag im Bayerischen Wald nichts entgegenstehen sollte.

 

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Start am Dultplatz in Regensburg.

Drei Uhr aufstehen am 29. Juli 2018, nicht schön aber nötig wenn man zum Massenstart um 6 Uhr startklar auf dem Regensburger Dultplatz sein möchte. Und der bot genügende Platz für all die Radfahrer. Und was mir in Bimbach verwehrt geblieben ist (dieses Mal habe ich alles von Anfang an dabei, auch meine Flaschen), hier kann ich es in vollen Zügen genießen. Massenstart und mit Polizeieskorte und 40er Schnitt raus aus Regensburg. Coole Sache, macht Spaß. Nach 13 km beginnt es so langsam hügelig zu werden. Bis Cham bei Kilometer 57 gibt es mehrere durchaus beachtenswerte Steigungen, die einem trotz der frühen Stunde schon mächtig den Schweiß ins Gesicht treiben. Aber noch bin ich frisch und kann mit Druck über die Hügel fahren.

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Der erste große Anstieg des Tages geschafft.

In Cham wollte ich eigentlich schnell weiter, jedoch musste ich mich etwas ausführlicher mit einem dieser Plastikhäuschen beschäftigen. Dann gehts weiter. Aufgrund der großen Zahl an Mitfahrern gibt es auch danach immer wieder Möglichkeiten in Gruppen zu springen und zumindest in den Flachstücken etwas Windschatten zu genießen. Nach etwa 95 km beginnt so langsam der Aufstieg zum Scheiben, erst fast unmerklich, aber irgendwann lässt es sich nicht mehr leugnen, dass es nach oben geht, ohne Unterlass. Etwa 10 km dauert der Aufstieg, bevor man auf 1050 m Höhe die Bergwertung erreicht. Ganz schön hoch, aber es sollte noch besser kommen.

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Blick auf den Großen Arber.

Obwohl die Landschaft bisher toll war, und auch der Aufstieg sehr schön zu fahren – der Blick zum Großen Arber ist alles andere als toll, hübsch hässlich der Berg, mit seinen dekorativen Kuppeln und den vielen Skipisten. Kann man sich ganz auf die rauschende Abfahrt konzentrieren und diese auch genießen. Unten angekommen die zweite Kontrolle. Vielleicht sollte ich dazusagen, dass ich weiter in meiner Ernährungstestphase bin. Diszipliniert lasse ich all die Leckereien links liegen, fülle die Flaschen mit Maltopampe, trinke noch etwas Isogetränk extra, wegen der Hitze, und ergänze das Ganze regelmäßig mit einem Fläschchen Ensure. So langsam werden meine Trikottaschen etwas schlanker, 250 km sind so das Maximum was ich ohne extra Taschen fahren kann, mit all dem Pulver und Flüssigzeugs.

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Am Gipfel des Bretterschachten.

Nach der Verpflegung gehts direkt wieder hoch, zum Bretterschachten, mehr als 7 km bis auf knapp über 1100 Meter, höher kommt man außerhalb der Alpen nicht so leicht. Auch wieder gut zu fahren, schöner Berg, macht Spaß. Nur meine Füße brennen wie Hölle. Ist es die Wärme? Oben angekommen schaue ich mir das Profil der Strecke nochmal an. Ein ordentlicher Berg noch und dann nochmal so ein 10 km Anstieg mit Doppelgipfel, und dann fast nur noch runter. Ein Klacks – weit gefehlt. So langsam wird es immer schwieriger Gruppen für die Flachstücke zu finden. Man sieht zwar immer die gleichen Leute, aber jeder fährt sein eigenes Tempo, runter wie hoch.

Irgendwann geht es wieder hoch und ein Kollege meint, dass wäre der letzte lange Berg. Jetzt schon? Doch der Berg Richtung Viechtach ist nicht der letzte fette Berg der Tour. Der beginnt in Viechtach. Die Organisatoren haben hier eine zusätzliche Getränkestation eingerichtet. Was ein toller Service ist, verwirrt mich doch. Ist das jetzt schon die Kontrolle? Ist sie nicht, 10 km bergauf gilt es zuvor zu meistern, überwiegend waldfrei in der prallen Sonne. So langsam bin ich gar. Oben angekommen tanke ich schnell auf, lasse Joghurt und Melonen links liegen und freue mich auf eine lange Abfahrt. Doch die Abfahrt ist viel zu kurz und schon geht es wieder nach oben, elendlange und steile Kilometer, parallel zu einer Skipiste. Meine rechte Leiste schmerzt, mehr und mehr. Der Kletterwaldexkurs vom Vortag macht sich bemerkbar, war sicher nicht die bester Vorbereitung.

Dann endlich runter, und ich sehne mich nach der nächsten Kontrolle. Ein welliger Parcours war angekündigt, aber das sind keine Wellen, das sind schon Berge, zumindest in meinem aktuellen Zustand. Dann noch 6 km bis zur Kontrolle. Wieviele Hügel können da jetzt wohl noch kommen? Ich hole einen Leidensgenossen ein, der schon seit Stunden mit Krämpfen zu kämpfen hat. Er bittet um etwas Windschatten, nur wie soll ich ihm den bergauf gewähren? Auf eben jenen 6 km sind nicht weniger als 3 Anstiege verbaut. Wieder einmal merke ich, dass Streckenkenntnis helfen würde, die vielen Hügel besser zu ertragen.

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Mal was anderes trinken als Wasser und Maltopampe.

Dann endlich Saulburg. Und hier haben die Organisatoren Bier aufgefahren, saugeil. Ich gönne mir ein alkoholfreies Bier, das tut gut, richtig gut. Dann noch etwas Gymnastik für meine Leiste und dann auf in die letzten 40 km. Der Kollege von vorhin ist auch abfahrbereit, zögert aber, will eine Gruppe haben. Ich blase zum Aufbruch, weil just in dem Moment drei andere losfahren. Und so haben wir doch eine Gruppe, die wenige Kilometer weiter mit drei Lokomotiven bereichert wird. Ab jetzte wird es schnell, mit 35 bis 40 km/h vergehen die letzten Kilometer wie im Flug. Ein Kollege von der Post übernimmt nach 20 km und drückt nochmal ordentlich aufs Tempo. Und ich muss nicht einmal durch die Führung gehen. Danke Kollegen! Nach gut 9 Stunden sind die 242 km und 3500 Höhenmeter im Kasten. Zur Belohnung gibt es ein Trikot und Freibier, ich lasse den Alkohol aber weg, immerhin muss ich noch 140 km zurück ins Urlaubsdomizil fahren.

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Der Dultplatz am Abend nach Ende des Radmarathons.

Was bleibt, ist ein toll organisierter Radmarathon, Beschilderung sparsam aber ausreichend, tolle Strecken, wenn auch vielleicht etwas zu häufig über ‚große‘ Straßen, toller Support durch die Polizei unterwegs. Über die Verpflegung kann ich mir ein Urteil erlauben, habe ich doch bis auf Wasser nichts davon in Anspruch genommen. Mit der jetzt gewonnenen Ortskenntnis sollte ein weiterer Start wesentlich entspannter verlaufen, aber wann es den gibt, steht in den Sternen.