Was im letzten Jahr pure Erholung war, hatte in diesem Jahr doch eher den Charakter einer Challenge. Statt Teil eines 4er Teams zu sein, dass sich alle 8 Stunden im Sattel ablöst war ich nur Teil einer 3er Teams, das zudem erst sechs Stunden nach dem Start vollzählig versammelt war. So kam es dass ich statt 3 Einsätzen ganze 5 Mal am Start stand und 5 Mal 2 Runden durch Den Haag radeln konnte. Und das Ganze ein ums andere Mal auch durchaus richtig richtig flott. Aber so soll es sein, hat sich die Teilnahme wenigstens richtig gelohnt.

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Klaar voor de start…

Wie im letzten Jahr fahre ich die Haagse Hoed Challenge für ein Den Haager Umzugsunternehmen (Van der Velde ‚t Veentje), als Individualist ohne Team und ohne Firma im Rücken die mich sponsort ist das eine tolle Option. Anders als im letzten Jahr kommt der Einsatzbefehl aber sehr kurzfristig. 10 Tage vor dem Start schreibt mich der Cheforganisator an, weil noch Fahrer gesucht werden. Trotz der Kurzfristigkeit habe ich dieses Jahr Glück mit dem Trikot und bekomme eins das passt, prima, dann kann es ja losgehen. Start ist in Scheveningen am Hafen, und das Basislager ist die ehemalige Fischräucherei von Simonis. Coole Location, ein bisschen Baustelle, ein bisschen alter Charme, ein bisschen improvisiert. Viel werde ich mich dort allerdings nicht aufhalten, wie mir bei Ankunft bewusst wird, weil unser Team eben nur zu Dritt ist und außer mir noch keiner da ist.

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In der Räucherei, bei der Lesung von Johan van der Velde.

Um 12:00 gehts los auf die ersten zwei Runden durch Den Haag. Knapp 28 km ist eine Runde, und die ersten davon sind sehr hektisch. Massiv viel Autoverkehr in der Stadt, schwierig durchzukommen, auch wenn man eine Motorradstaffel zur Verfügung hat, die einem den Weg freischaufeln soll. Was mache die vielen Leute am Samstag alle in der Stadt? Doch problematischer als die Autofahrer sind die Fußgänger und v.a. die Radfahrer, die denken sich zwischen zwei Kradfahrern noch über die Straße schieben zu können, oder aber gar nicht erst anhalten, z.T. ein bisschen gefährlich. Ab Runde drei wird es langsamer weniger hektisch, der Verkehr nimmt ab. Das macht die Fahrt auch gleich viel gleichmäßiger. Trotzdem wird härter gefahren als letztes Jahr (da war ein 30er Schnitt pro Runde schon das höchste der Gefühle, heuer war nur eine Runde mit 30er Schnitt die langsamste der Challenge). Vor allem in der Führung ist es ein ziemlich intensives Radeln, wenn man das Tempo hochhalten will.

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Im Ziel vereint, die Drei von Van der Velde ‚t Veentje.

Nach vier Stunden ist die Ablösung da und ich kann eine Pause machen. Vier Stunden Zeit vertreiben. Ein bisschen am Hafen spazieren gehen, ein bisschen lesen. Um sechs ist dann auch der Dritte im Bunde vor Ort und übernimmt die nächste Runde. Dann ein bisschen die nächsten Runden planen bevor es was warmes zu essen gibt, Nudeln mit Fleischsoße, lecker. Kurz nach sieben gibt es eine Lesung mit einem niederländischen Radidol vergangener Tage, Johan van der Velde, bis 1989 Radprofi. Hat der was mit meinem Sponsor zu tun? Wahrscheinlich nicht. Ich mache mich so langsam fertig für den nächsten Auftritt, die Fahrt in die Nacht. Das habe ich mir gewünscht, bei bestem Wetter in den Sonnenuntergang fahren, sehr schön. Auch jetzt fahre ich wieder zwei Einsätzte, die nächsten 110 km in die Beine. Und vor allem die zweiten zwei Runden werden sehr ruhig und gleichmäßig gefahren, sehr entspannend. Bis zum Ziel fahre ich aber nicht mit sondern verabschiede mich kurz vorher ins Bett, 4 Stunden schlafen…

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Auf gehts, letzte Runde vor Mitternacht.
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Morgens um acht am Hafen von Scheveningen. Jetzt habe ich aber Frühstückshunger.

Um 6 Uhr startet mein letzter Turn. Nach der Fahrt ins Dunkle folgt jetzt die Fahrt ins Helle, in die aufgehende Sonne, wunderbar. Allerdings haben zwei Herren es sehr eilig und drücken ganz schön aufs Tempo. Hinten draufliegen geht so, aber in die Führung kann ich nicht. So langsam merke ich auch die 220 km und die kurze Nacht. Aber ich bleibe dran. Wie ich dann später bei Strava sehe, ist das die schnellste Runde von allen die in den letzten 24 Stunden durch Den Haag geradelt wurden, 35 km/h stehen zu Buche. Und auch die zweite der morgendlichen Runden ist kaum langsamer, 34 km/h, sodass wir nach 1:35 schon wieder zurück am Hafen sind. Coole Sache. Für mich geht es dann heim, Frühstück vorbereiten, frühstücken, und dann später wieder zurück zum Hafen für das große Finale, mit Familie. So wenige Jungs und Mädels wie nachts auf der Straße waren, soviele sind jetzt unterwegs. Noch einmal schlängelt sich ein grün-gelber Lindwurm um den Hafen, dann ist die zweite Auflage der Haagse Hoed Challenge Geschichte. Großartiges Event, gut organisiert, gut durchgeführt, keine Stürze, phantastisches Wetter als Bonus, was will man mehr. Deutlich müder als im letzten Jahr mache ich mich auf den Heimweg, mit An- und Abfahrt und finaler Hafenrunde stehen ziemlich genau 300 km auf der Uhr, 275 davon auf insgesamt 10 Runden durch ein sich ständig wandelndes Den Haag. Vom Samstagsmittagstress über die abendlichen Partygäste die einen lautstark unterstützen bis zur sonntäglichen Morgenruhe, alles dabei. Auf ein Neues im nächsten Jahr, hoffentlich, ich drücke die Daumen, dass es weitere Auflagen der Challenge geben wird.

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Kleine Hafenrundfahrt inklusive, der Auftakt jeder Runde durch Den Haag.