Mit etwas Verspätung komme ich zum Start des Amstel Gold Race (Toerversie). Ich musste einmal komplett um Valkenburg rumgurken um zum Parkplatz zu kommen und dann musste ich noch die Startunterlagen abholen, weil das am Tag vorher dank massivem Osterstau nicht funktioniert hat. Dafür hatte man dann am Morgen noch einen fast vollen Mond über den Obstbäumen stehen, schön. Um 7 bin ich dann auf der Piste. Ein wunderschöner Tag kündigt sich an, Sonne satt, sommerlich warm, grandios. Als erstes stand die Nordschleife auf dem Programm. Hier hieß es wie beim letzten Mal sich in Gruppen verstecken, mitrollen wo es geht, Kraft sparen. Klappt hervorragend. Nie in der Führung, immer mittendrin, ich schwimme gut mit. Sogar am Maasberg, der mir dank Pflaster so gar nicht liegt, komme ich dieses Mal mit der Gruppe drüber. Bin ich dieses Jahr einfach besser oder habe ich mehr Glück mit den Gruppen?

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Noch frisch am Morgen über das Pflaster am Maasberg.

Die erste Pause wollte ich eigentlich auslassen, muss aber dringend mal aufs Klo. Also doch kurz runter vom Rad. Am Raarberg komme ich unten mit einer kleinen schnellen Gruppe rein, die ich dann nicht halten kann. Zum ersten Mal bin ich alleine am Berg. Kurz vor der Kuppe sehe ich vorne eine große Gruppe und drücke drauf. Ein anderer Sportsfreund hat den gleichen Plan und gemeinsam kommen wir in die Gruppe. Hat ein paar Körner gekostet. Die zweite Verpflegungsstelle kann man nicht umfahren, muss mittendurch. Und danach wird es hügeliger, und die Gruppen haben sich ausgedünnt. Ich komme weiterhin gut voran und bin nach deutlich unter drei Stunden mit 31,4 km/h zurück in Valkenburg. Wahnsinn, nochmal schneller als beim letzten Mal.

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Fromberg Teil 1, wie immer ein Genuss.

Bis dahin habe ich mich an diesem Tag auch komplett selbst ernährt. Ich habe zum ersten Mal ‘Essen für Sieger’ in der Trikottasche. Selbst in improvisierten Ferienwohnung-Verhältnissen habe ich zwei Rezepte ausprobieren können. Echt lecker, Reissandwich und selbstgemachte Pies. Und nicht nur saulecker sonder auch gut zu essen und nicht schwer im Magen liegend. Dazu angenehm sättigend, echt toll, ich bin begeistert, der Extraaufwand fürs Zubereiten lohnt sich. Auf Energierigel kann ich jetzt also mehr und mehr verzichten.

Und dann wirds richtig busy. Die Spätstarter für die 150 km Strecke gesellen sich jetzt für die Südschleife dazu. Stau in der Anfahrt zum Geulhemmerberg, irre was los. Am Bemelerberg hat sich das ganze dann wieder etwas entzerrt. Und dann beginnen die Streckenabschnitte mit viel mehr Hügeln als es die kategorisierten Anstiege einem Glauben machen wollen. So langsam merke ich die bisher absolvierten Kilometer. An den Hügeln und Bergen komme ich mit den schnellen Jungs nicht mehr mit. Trotzdem sehe ich eben jene schnellen Jungs immer und immer wieder. Die machen länger Pause als ich, und v.a. machen die immer gleich oben am Berg Pause. Ich fahre lieber meinen Rhythmus durch. Nach vier Stunden habe ich die Hälfte geschafft, 120 km, noch immer ein 30er Schnitt.

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Am Dreiländerpunkt.

Von nun an kommen die dicken Hügel in immer kürzeren Abständen. Erst noch die weniger steilen, wie die Auffahrt zum Dreiländerpunkt, schöner Berg. Nach dem letzten Kontrollpunkt folgen dann die fetten Rampen. Apropos Kontrollpunkte, an denen laufen die Massen der Radler dann wieder zusammen, kaum ein Durchkommen. Vor allem die Schlangen an den Getränke- und Wasserstellen sind unglaublich. Ob bei Regen und Kälte auch so viele unterwegs gewesen wären?

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Hochbetrieb an den Verpflegungsstellen.

Zurück zu den Rampen. Kruisberg und Eyserbosweg läuten das Finale ein. Steil und kurz auf schmalen Straßen. Ich komme gut rüber und fahre sofort weiter. Habe noch gut Druck auf dem Pedal. Über Huls und Midweg gehts zum zweiten Fromberg Anstieg. Irgendwer ruft was von Nägeln auf der Straße. War das nicht beim letzten Mal auch so? Und auch hier komme ich gut hoch. Mittlerweile sind die meisten der schnellen Jungs wohl durch und ich überhole wieder mehr, macht Mut.

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Hochbetrieb am Keutenberg.

Und dann der Schlussakkord. Keutenberg, wenn man ihn kennt hilft das ungemein. Mit 22% gehts untenrein, Banden an den Seiten, jede Menge Zuschauer. Und nachdem ja schon seit dem Dreiländerpunkt die ersten zu Fuß die Berge hochgehen, ist das hier eine wahre Völkerwanderung. Auf sehr schmaler Straße wird rechts gelaufen. In der Mitte wird Schlangenlinien gefahren, gekeucht und geflucht. Und links fallen Leute auch schonmal einfach um. Zum Glück geht die Böschung nach oben, gut zum anlehnen. Oben angekommen liegen Leute reihenweise im Gras. Ich fahre durch und gebe Gas. Es kommen dann doch nochmal ein paar schnelle Jungs, und ich gehe mit, macht das Spaß, bis zum nächsten Hügel, und tschüss…

In Sibbe dann rechts runter nach Valkenburg und dann in den Cauberg. Partystimmung in Valkenburg. Ich komme gut hoch und lass es dann nochmal krachen. Ich möchte nicht inmitten eines Peloton ins Ziel kommen, Einzelfinish bitteschön. Ich drücke drauf, leicht abfallend Richtung Ziel, Teufelslappen, endlich in voller Straßenbreite die Zielgerade genießen. Und tatsächlich, ich komme in eine Lücke im Fahrerfeld, groß genug, dass ich persönlich im Ziel vom Sprecher begrüßt werde.

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Im Ziel.
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Am Ziel oberhalb Valkenburg. Alles schon aufgebaut für die Profis am nächsten Tag.

Die 30 km/h habe ich zwar nicht halten können, aber 27,4 km/h sind auch nicht schlecht. Ich bin unter 8,5 Stunden geblieben und damit über ne halbe Stunde schneller als vor drei Jahren. Da habe ich die halbe Stunde Verspätung vom Morgen ja wieder reingefahren, wer hätte das gedacht. Sehr zufrieden, mit einem weiteren Bieröffner um den Hals mache ich mich auf den Weg zum Parkplatz. Auch wenn echt schon viel los war auf der Strecke, hat es echt Spaß gemacht.

Und dann wollte ich eigentlich dieses Jahr das Ardennentripel komplett machen und unter der Woche noch den Flèche Wallonne auf eigene Kappe fahren. Hatte alles schön geplant, Strecke geplottet, Rad präpariert. In der Nacht zum Dienstag machen mir dann Halsschmerzen zu schaffen und ich lasse meinen Wallonischen Pfeil ausfallen. Stattdessen gibts dann halt einen Tag später den Besuch bei den Profis, Damen und Herren, die sich mehrfach durch die schöne Stadt Huy schlängeln, um an der berühmten Mauer von Huy ihren Meister zu finden. Schönes Erlebnis, Stadtbesichtigung und Radrennen. Bleibt die Hoffnung, dass es dem Hals bis Samstag wieder besser geht, damit ich zumindest La Doyenne noch in Angriff nehmen kann. Und nochwas anderes macht ein wenig Sorgen. Die Wetteraussichten fürs Lü-Ba-Lü Wochenende werden von Tag zu Tag schlechter. (Und hier gehts zu Teil 2 der Ardennenwoche)

Huy female
Das Belauern vor der entscheidenden Attacke: die Damen am Fuße der Mauer von Huy.
Teufel
Auf in den letzten Kilometer. Gleich wirds steil für die Damen an der Mauer.
Huy male
Noch belauern sich Alaphilippe und Fuglsang, 550 m vor dem Ziel an der steilen Mauer in Huy.