Man ist das lange her, dass ich hier was geschrieben habe. Man ist das lange her, dass ich an einem offiziellen Radevent teilgenommen habe. Das muss man doch ändern! Also habe ich mir ganz einfach mein eigenes Radevent geschaffen, und so mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Cycling Zandvoort wäre vor einer Woche gewesen, wenn Corona es nicht verboten hätte. Mal wieder 24 Stunden im Kreis zu fahren – wäre schön gewesen. Aber im Kreis fahren kann man auch zu Hause, z.B. in Scheveningen. Und wenn man das dann noch für einen guten Zweck macht, gewinnt nicht nur der Radfahrer, sondern viele andere auch noch. Gesagt getan: Am 20. 6. trete ich 8 Stunden lang für die renovierungsbedürftige Orgel der Deutschen Evangelischen Gemeinde Den Haag in die Pedale, auf einem 3,68 km langen und ampelfreien Rundkurs in Scheveningen, zwischen Den Haag und dem Strand sozusagen.

Aus den 24 Stunden haben wir im Vorfeld 8 Stunden gemacht. Start ist am Morgen um 8 Uhr. Ziel ist um 16 Uhr, und dazwischen darf ich so viele Runden fahren, wie ich kann. Also dann mal schaun, was geht.

Die Tage vorher war ich etwas skeptisch, wie es um meine Verfassung bestellt ist. Der Puls ging schnell hoch, und das bei lockerem Tritt. Wenig überraschend also, dass ich damit den ganzen Tag zu kämpfen hatte. Aber ich war auch ganz schön flott unterwegs. Nach der ersten Stunde habe ich einen 30er Schnitt auf der Uhr. Ob ich das bis zum Ende durchhalte?

Eine der zwei Pausen an diesem Tag, aber ansonsten bin ich gefahren und gefahren und gefahren…dazu der Kindermund der Tochter einer Freundin: „Was er fährt immer noch? Er vertrödelt ja den ganzen Tag mit Velo fahren!“

Das Tolle bei der heutigen Orgeltour was, dass ich nie alleine an der Strecke war. Spätestens alle 3,68 km sah man ein bekanntes Gesicht. Und auch virtuell waren mir heute viele Menschen verbunden. Das war echt toll und hat mich sehr motiviert. Nachdem es die ersten Stunden gleichmäßig, locker und richtig flott voranging, habe ich begonnen, meine sportlichen Ziele für den Tag zu konkretisieren. Alles über 50 Runden war vorher das Ziel. Über 200 km wären schon schön, und 60 Runden wären total cool. Das geht aber nur, wenn ich meine Standzeit in Grenzen halte. Noch ein Ziel also: Inwieweit kann ich die Standzeit auf längeren Strecken reduzieren?

Nach gut 4 Stunden machen sich erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Was auch daran liegt, dass der Kurs alles andere als flach ist und dass man an der holländischen Küste immer eine frische Brise im Gesicht hat. Und wenn beides zusammenkommt, wie auf den letzten 500 m nach Scheveningen, wirkt sich das nicht gerade vorteilhaft auf die Durchschnittsgeschwindigkeit aus. Nach dem zweiten kurzen Tankstop nach etwa 144 km beginnen die Rechenspiele. Eine weitere Pause ist nicht drin, wenn ich die 60 Runden knacken möchte. Also weiter im Kreis.

Blumen für den Radfahrer. Und was sagt der Kindermund der Tochter einer Freundin dazu? „Warum hat er Blumen bekommen? Er wollte das doch! Es ist doch sein Training!“

Als noch 1,5 Stunden zu fahren sind, wird es langsam zäh. Der Wind auf dem Weg Richtung Strand macht mir zu schaffen. Die Müdigkeit lässt sich nicht mehr leugnen. Der Verkehr (Strandbesucher) nimmt immer mehr zu. Die Rettung kommt in Form von Jörg, der mich auf dem letzten Abschnitt begleitet. Als Bulldozer räumt er mir den Weg frei und bietet mir Windschatten. Das hilft enorm. Einen Gesprächspartner zu haben ist zwar nicht messbar, aber hat doch einen spürbar positiven Erfolg. Radsport ist halt doch Teamsport. So unterstützt wird bald klar, dass 60 Runden gut zu schaffen sind. Am Ende stehen sogar 61 Runden zu Buche, und 226 km in 7:44 h reiner Fahrzeit, 8:04 Gesamtzeit, d.h. 20 Minuten Standzeit auf einer 200er Strecke. Nicht so schlecht! Hartes Stück Arbeit, aber hat sich gelohnt für unsere Orgel, und für mich sowieso. Vielen Dank an alle Beteiligten, die dafür gesorgt haben, dass ich eine ganz neue Erfahrung habe machen dürfen!